PrEP (Prä-Expositions-Prophylaxe)

Quelle: Deutsche AIDS Hilfe und lovelazers.org

Was ist die PrEP? Und für wen ist sie geeignet?

Eine HIV-PrEP ist neben der Benutzung von Kondomen und dem Schutz durch Therapie eine weitere Methode zum Schutz vor HIV.

PrEP steht für Prä-Expositions-Prophylaxe, auf Deutsch: Vorsorge vor einem Risiko-Kontakt. Bei einer PrEP nimmt eine HIV-negative Person entweder täglich oder rund um sexuelle Kontakte ein HIV-Medikament ein.

Die Methode ist wissenschaftlich überprüft und schützt schwule Männer mit erhöhtem Risiko ebenso gut vor HIV wie Kondome. Das gilt aber nur, wenn die PrEP nach bestimmten Regeln angewendet wird.

100%ig ist der Schutz nicht, denn in sehr seltenen Fällen sind HI-Viren bereits gegen das Medikament resistent. Die PrEP schützt außerdem nur vor HIV, aber nicht vor anderen Geschlechtskrankheiten.

Zurzeit wird das Medikament Truvada® für die PrEP benutzt. Es gilt als gut verträglich, kann aber auch Nebenwirkungen haben. Wichtig ist deshalb eine ärztliche Begleitung der PrEP.

Die Leitlinien der Europäischen Aids-Gesellschaft EACS empfehlen die PrEP für HIV-negative Männer, die Sex mit Männern haben, sowie Trans*-Personen, die nicht konsequent Kondome verwenden oder Sex mit HIV-positiven Partnern haben, die keine HIV-Medikamente nehmen.

Für HIV-negative heterosexuelle Männer und Frauen, die nicht konsequent Kondome verwenden und mit hoher Wahrscheinlichkeit HIV-positive Partner_innen haben, kann laut EACS eine PrEP „in Betracht gezogen“ werden. Die Forschung zeigt aber, dass die PrEP weniger effizient beim Vaginal- als beim Analverkehr ist.

Wie funktioniert eine PrEP?

HIV-Medikamente hindern HIV daran, sich zu vermehren.

Bei der PrEP gelangen die beiden Wirkstoffe im HIV-Medikament Truvada® unter anderem in die Zellen der Schleimhäute (zum Beispiel im Darm), die beim Sex ohne Kondom mit Körperflüssigkeiten oder Schleimhäuten des Partners in Kontakt kommen.

Wenn HIV dann in diese Zellen kommt, können sich die Viren nicht vermehren. Eine HIV-Infektion kann verhindert werden.

Dazu müssen die Wirkstoffe aber im Blut und den Schleimhäuten einen bestimmten „Pegel“ haben. Wird das Medikament abgesetzt, verschwindet auch die Schutzwirkung wieder.

In extrem seltenen Fällen sind die übertragenen Viren schon gegen Truvada® resistent. Dann kann es trotz PrEP zu einer Ansteckung kommen.

Wo und wie kann man einen Zugang zur PrEP haben?

Truvada® ist in immer mehr Ländern für die PrEP zugelassen oder im Rahmen von Studien erhältlich.

Die europäische Zulassung erfolgte im August 2016, die deutsche Zulassung im Oktober 2016.

Ärzt_innen können Truvada® zur PrEP jetzt verschreiben, allerdings nur auf Privatrezept. Die Tablettenkosten für einen Monat (bei täglicher Einnahme gut 800 Euro) müssen die Nutzer_innen derzeit selbst tragen. Es gibt aber verschiedene Möglichkeiten, eine PrEP günstiger zu bekommen. Hoffentlich werden bald die zuständige Gesundheitsbehörde in Deutschland die Kostenübernahme dieser sehr effizienten Schutzmethode vor HIV regeln. Mehr Informationen über dieses Thema sind auf der Webseite von lovelazers zu finden (auf Englisch, Deutsch und Französisch).

Andere Wege, sich Truvada oder Generika für die PrEP zu besorgen (z. B. im Ausland oder auf dem Schwarzmarkt), können mit Risiken verbunden sein.

Von Selbstversuchen ist dringend abzuraten – wichtig sind auf jeden Fall eine gute ärztliche Beratung, Vorbereitung und Begleitung der PrEP.

Und wie wird die PrEP angenommen?

Vor Beginn der PrEP muss ein HIV-Test sicherstellen, dass man HIV-negativ ist. Wenn man HIV-positiv ist und nur Truvada® nimmt, kann HIV sich vermehren und resistent = unempfindlich gegen manche HIV-Medikamente werden.

Vor dem PrEP-Start muss außerdem die Nierenfunktion überprüft werden. Wer an einer Nierenerkrankung leidet, sollte keine PrEP machen. Außerdem sollte untersucht werden, ob eine Hepatitis-B-Infektion vorliegt.

Belegt ist die Wirksamkeit der täglichen Einnahme von Truvada®.

Noch nicht zweifelsfrei erwiesen ist die Wirksamkeit der „anlassbezogenen“ PrEP: Hierbei fängt man vor dem Sex mit der Einnahme an, macht dann an den Tagen mit möglichen Risikokontakten weiter und setzt die Einnahme nach dem letzten Sex noch zwei Tage fort.

Nach dem Beginn einer PrEP muss man alle drei Monate einen HIV-Test machen. Außerdem sollten PrEP-Nutzer_innen regelmäßig ihre Nierenwerte überprüfen lassen.

Alle drei bis sechs Monate empfiehlt sich eine Untersuchung auf andere Geschlechtskrankheiten.

Aktuelle Informationen zur Anwendung der PrEP sind im HIV-Report  der Deutschen AIDS Hilfe zusammengestellt.