Konsenspapier: Schutz durch Therapie

Beim Sex ohne Kondom mit einem erfolgreich behandelten HIV-Positiven ist eine HIV-Übertragung sehr unwahrscheinlich, wenn die Viruslast seit mindestens einem halben Jahr unter der Nachweisgrenze liegt und die Medikamente konsequent eingenommen werden.

Tabletten
Erfolgreiche HIV-Therapien schützen vor Übertragungen (Foto: Rainer Sturm/pixelio.de)

Dieser präventive Zusatznutzen einer erfolgreichen antiretroviralen Therapie (ART) steht im Mittelpunkt des gestern veröffentlichten „Community-Konsensuspapiers zum Einsatz der antiretroviralen Therapie zur Prävention der HIV-Übertragung“. Das Papier wurde in einem mehrmonatigen Prozess von der European AIDS Treatment Group und NAM/aidsmap.com gemeinsam mit anderen internatonalen Nichtregierungsorganisationen entwickelt. Zu den Erstunterzeichnern gehören unter anderem das Global Network of People Living with HIV (GNP+), das HIV Justice Network, die französische Aids-Organisation AIDES und die Deutsche AIDS-Hilfe.

Dem Papier liegt das Prinzip zugrunde, dass  Gesundheit und Wohlbefinden von Menschen mit HIV zu schützen sind – und zwar unabhängig davon, ob sie eine antiretrovirale Therapie machen oder nicht. Betont wird die Selbstbestimmung: Der Schutz der Sexualpartner vor einer HIV-Übertragung sei kein unabhängiges, für sich allein stehendes Ziel, sondern ein Zusatznutzen der ART. Wichtig sei, dass der Zugang zur Behandlung für alle ermöglicht werde, insbesondere für die sogenannten vulnerablen Gruppen. Dazu zählen Sexarbeiter, schwule Männer, Haftinsassen, Drogengebraucher und Migranten, denen der Zugang zur Therapie in der Regel besonders erschwert werde.

Der Schutz durch Therapie müsse eingebettet werden in Maßnahmen der strukturellen Prävention; es dürfe nicht zu einer Schwächung anderer Präventionsmethoden, des Zugangs zu Prävention und Diagnostik und der Forschung kommen. Wichtig sei insbesondere die Kommunikation, denn viele Menschen mit HIV, aber vor allem auch viele HIV-Negative wüssten nichts vom präventiven Zusatznutzen der ART. Hier seien die „Provider“ wie zum Beispiel Ärzte und Präventionsorganisationen gefragt. In diesem Sinne könne dann die ART nicht nur das Leben von Menschen mit HIV retten, sondern auch ein notwendiger Beitrag zur Beendigung der HIV-Epidemie sein.

Carsten Schatz vom Vorstand der Deutschen AIDS-Hilfe (DAH) begrüßt das Papier: „Die Aidshilfe will, dass die Tatsache der Nicht-Infektiosität unter funktionierender HIV-Therapie in den Köpfen und Bäuchen ankommt – bei Menschen mit HIV und ihren Partnerinnen und Partnern, aber auch bei allen anderen. Dieses gemeinsame internationale Statement kann hierzu einen wichtigen Beitrag leisten. Wir laden alle dazu ein, es zu lesen, zu prüfen und zu unterstützen.“

(ascho/hs)

 

Quelle/weitere Informationen

Website mit dem Statement (in verschiedenen Sprachen) und der Möglichkeit, die Erklärung zu unterstützen

Presseerklärung (in englischer Sprache)

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