Anti-Diskriminierungsstelle der Deutschen AIDS-Hilfe

HIV-Test bei der Einstellungsuntersuchung? Immer nur der letzte Termin beim Zahnarzt? Roter Punkt auf den Krankenunterlagen? Weitergabe der HIV-Diagnose ohne Absprache? Solche und ähnliche Diskriminierungserfahrungen machen viele Menschen mit HIV immer wieder – meist, ohne dass sie sich dagegen wehren!

Es stellt sich daher die Frage, warum die Antidiskriminierungsarbeit – z.B. auf der Homepage der Aidshilfe – nicht so selbstverständlich dieselbe Aufmerksamkeit findet wie z.B. die Beratung zu sozialrechtlichen Fragen oder zum HIV-Test. Glaubt man, dass sich dieses Aufgabenfeld zu sehr von selbst versteht, um es besonders herausstellen zu müssen? Oder misst man der Diskriminierung von Menschen mit HIV als wesentlichem Faktor (der Beeinträchtigung) der Lebensqualität noch nicht ausreichend Stellenwert bei? Oder fehlt es den Mitarbeitenden an Kompetenzen, um die rechtlichen Möglichkeiten in der Antidiskriminierungsberatung nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) voll ausschöpfen zu können?
Flagge zeigen gegen Diskriminierung
Was auch immer der Grund sein mag: Man bringt sich um die Möglichkeit, Menschen mit HIV transparent zu machen, dass Aidshilfe sich dieses Thema auf die Fahne geschrieben hat. Man vergibt nicht nur die Chance, einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit HIV zu leisten, sondern auch die Gelegenheit, sich hier ein neues Arbeitsfeld zu erschließen und das eigene Profil als kompetente Fachstelle gegen Diskriminierung zu schärfen.
Deshalb müssen sich Aidshilfen als Ort der Selbsthilfe und als Interessensvertretung in Zukunft noch stärker für den Abbau von Diskriminierung einsetzen. Sei es  in der Beratung, in den Schulungen für medizinisches Personal u.a., durch die Bereitstellung von Informationsmaterial oder durch den Aufbau von Selbsthilfestrukturen und das Empowerment der betroffenen Menschen mit HIV
Innerhalb der DAH hat sich ein bundesweites Netzwerk formiert, dass sich diese Aufgaben zum Ziel gesetzt hat.
Abbau von Diskriminierung ist strukturelle Prävention
Den Abbau von Diskriminierung als gesellschaftspolitische Aufgabe und als zentraleb Bestandteil der strukturellen Prävention hat sich der 2016 ins Leben gerufene Facharbeitskreis Antidiskriminierungsarbeit zum Ziel gesetzt. Im Facharbeitskreis vertreten sind kleine ländliche Aidshilfen ebenso wie die großen aus den Ballungsräumen sowie engagierte Vertreter_innen der Selbsthilfe. Die Gruppe hat sich zur Aufgabe gemacht, der Antidiskriminierungsarbeit mehr Bedeutung zu geben und ihre Potentiale zu entwickeln. In einem Kreis von 12 Kolleg_innen wurden im Jahr 2017 Qualitätsstandards erarbeitet, die die Arbeit vor Ort verbessern und strukturieren sollen:
https://www.aidshilfe.de/sites/default/files/documents/vorschlag_fuer_qualitaetsstandards_zur_antidiskriminierungsarbeit.pdf
Die Standards formulieren unter Berücksichtigung der Rahmenbedingungen vor Ort z.B. notwendige Fortbildungen zur Erlangung von Fachkompetenzen, die Beratungshaltung, die Vernetzung von Aids- und Selbsthilfe sowie die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen in der Antidiskriminierungsarbeit. Im November 2017 wurde der Entwurf der Qualitätsstandards auf der Mitgliederversammlung der DAH in Mannheim vorgestellt. 2018 sollen sie in den Praxistest gehen.
Hierbei sind wir auf Eure Unterstützung angewiesen. Wir möchten alle Aidshilfen bitten, die Qualitätsstandards für ihre Arbeit zu überprüfen und uns ihre Erfahrungen mitzuteilen. Dazu steht ein Onlinefragebogen zur Verfügung:

https://rueckmeldung-qualitaetsstandards.questionpro.eu/

Darüber hinaus gibt es regionale Ansprechpartner_innen, an die Ihr Euch mit Fragen und Anregungen wenden könnt. Veränderungs- und Verbesserungsvorschläge werden so in die Weiterentwicklung der Qualitätsstandards einfließen. Bei einem geplanten „Fachtag zur Antidiskriminierungsarbeit“ Anfang November 2018 werden Eure Anregungen diskutiert, um sie dann auf der nächsten Mitgliederversammlung zur Abstimmung zu stellen. Wir freuen uns auf Eure Rückmeldungen. 

Regionale Ansprechpartner_innen „Null Diskriminierung“

Für den Norden: Gabi Drisga, Wismar; E-Mail: drisga@wismar.aidshilfe.de Christoph Sitole, Hannover; E-Mail: c.sitole@hannover.aidshilfe.de
Für den Süden: Ralph Mackmull, Freiburg; E-Mail: ralph-mackmull@aids-hilfe-freiburg.de Nico Erhardt, München; E-Mail: nico.erhardt@muenchner-aidshilfe.de
Für den Osten: Martin Thiele, Halle; E-Mail: martin.thiele@halle.aidshilfe.de Maarten Bedert, Halle; E-Mail: maarten.bedert@halle.aidshilfe.de
Für den Westen: Alexandra Frings, Aachen; E-Mail: alexandra.frings@aidshilfe-aachen.de
Für Berlin und „alles andere“: Kerstin Mörsch, E-Mail: kerstin.moersch@dah.aidshilfe.de

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